Natürlicher Klimaschutz

Innovationen für Wirtschaft und Natur in Brandenburg

Konferenz

07. Oktober 2025

© Sascha Thor
© Sascha Thor

Am 07. Oktober 2025 fand unsere Konferenz "Natürlicher Klimaschutz: Innovationen für Wirtschaft und Natur in Brandenburg" in Kooperation mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg statt. Die Konferenz stand unter der Schirmherrschaft der Ministerin für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, Hanka Mittelstädt. 

Etwa 150 Akteur:innen aus Wissenschaft, Praxis, Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft kamen zusammen mit dem Ziel, konkrete Lösungswege für nachhaltige Landnutzung, regionale Entwicklung und klimagerechte Wirtschaftspolitik zu diskutieren. Auf dem Programm standen spannende Impulsvorträge und Diskussionsrunden mit Expert:innen sowie vertiefende Formate zum fachlichen Austausch. Außerdem präsentierten sich verschiedene Projekte beim Markt der Möglichkeiten und stellten ihre Best-Practice vor.

Magdalena Eder vom Klimabündnis Brandenburg und Prof. Dr. Gesine Grande, Präsidentin der BTU Cottbus-Senftenberg, machten in ihren Begrüßungsworten deutlich, dass natürlicher Klimaschutz notwendig ist: 7 von 9 planetaren Grenzen sind bereits überschritten, die Erde könnte sich bis 2050 schon um drei Grad erwärmen. Gleichzeitig bestehe unter jungen Menschen großes Interesse an Studiengängen, die sich den Themen der großen Herausforderungen der Zukunft – wie Energie, Umwelt und Gesundheit – widmen, erklärt Prof. Dr. habil. Gesine Grande, Präsidentin der BTU Cottbus-Senftenberg. 

 

Anschließend ging Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen, PIK, Wissenschaftlicher Klimabeirat Brandenburg, detaillierter auf den aktuellen Stand der Klimakrise und deren Folgen insbesondere für Brandenburg und deren Ökosystem ein.

Er appellierte an die Politik: 



"[Extremwetterereignisse mit großen wirtschaftlichen Schäden und Todesfällen steigen] Jahr für Jahr an. Deswegen auch die Diskussion um das 1,5 Grad-Ziel: Jedes Zehntel Grad zählt. Mit jedem Zehntel Grad steigt die Wahrscheinlichkeit von solchen Ereignissen und jedes Zehntel Grad, was wir gemeinsam begrenzen können, vermeidet Schäden."

- Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen



THEMA MOOR UND LANDWIRTSCHAFT

Sebastian Petri, Moorhofer Grünlandhof, und Jan Peters, Michael Succow Stiftung, gingen im Impuls auf die Frage ein, wie die Bewirtschaftung von Mooren wirtschaftlich werden kann. Dabei ergänzten sich die Vorträge der beiden Referierenden gut – Sebastian Petri berichtete von den möglichen Arten der Moornutzung und Erfahrungen aus dem eigenen Betrieb, Jan Peters aus dem Projekt "toMOORow", das zum Ziel hat, Moore wiederzubeleben und nachhaltig zu nutzen. "toMOORow" fördert dementsprechend nicht nur die Wiedervernässung von Mooren, sondern auch die Wertschöpfung aus Paludikultur.


“Wir haben schon sehr viel herstellen lassen […] und es funktioniert. Aber es muss mehr in die Menge getragen werden. Alle müssen zusammenarbeiten […], damit wir schnell in die Fläche kommen und den Landwirten was bieten können.”

- Sebastian Petri


Präsentationen


Beim Fachaustausch Moorschutz haben wir gemeinsam mit den Teilnehmenden und spannenden Impulsgebern diskutiert, wie Paludikultur und Moorbiomasseprodukte in Brandenburg erfolgreich in die regionale Wertschöpfung gehen können.

Tom Kirschey, Leiter des Kompetenzzentrums Natürlicher Klimaschutz, stellte die Moorschutz Förderkulisse im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz vor – ergänzt durch Tilman Schauder, der die Rolle des Regionalbüros des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz näher erläuterte.

Dr.-Ing. Ralf Pecenka vom Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie, präsentierte Ergebnisse der angewandten Forschung zu Verwertungsmöglichkeiten und möglichen Wertschöpfungsketten der Paludikultur in Brandenburg.



THEMA WALDUMBAU UND WALDWIRTSCHAFT

© Annette Littmeier
© Annette Littmeier

Im Impuls erklärte Dr. Malte Pries, Pollmeier Massivholz GmbH & Co. KG, welche Vorteile Holznutzung in Bau & Wohnen gegenüber den gängigen Materialen wie Plastik und Beton bietet. 

Dr. Stefan Kreft, Naturwald Akademie, rundete den Impuls ab, mit der Vorstellung, wie Wald gleichzeitig ökologisch und wirtschaftlich genutzt werden kann.


“Wir können den Wald […] nutzen, das Holz entsprechend zu Bauprodukten verarbeiten, im Baubereich festsetzen und somit Kohlenstoff dauerhaft im Baum speichern. "

- Dr. Malte Pries


Präsentationen


 

Beim Fachaustausch Wald haben wir gemeinsam mit den Teilnehmenden und spannenden Impulsgebern diskutiert, wie eine klimaresiliente Waldbewirtschaftung in Brandenburg aussehen und gelingen kann. Dafür hat Prof. Dr. Tobias Cremer, Professor für Forstnutzung und Holzmarkt an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNEE) gemeinsam mit seinem Team neueste Erkenntnisse aus dem Projekt ADAPT-Wald-Holz vorgestellt. Im Fokus des Projekts steht die Waldkiefer und die Frage, wie ökosystem- und ressourcenschonende Wertschöpfungsketten bei der Waldkiefer aussehen können. Im Rahmen des Projekts wurde ein KI-Modell entwickelt, welches Praktiker*innen helfen soll vor Ort Entscheidungen zu treffen.

Friedrich-Georg Koch, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldbewirtschaftung (ANW) Brandenburg-Berlin, gab einen Praxiseinblick in sein Revier Bunterschütz und formulierte einen starken Appell für die Notwendigkeit des klimaangepassten Waldumbaus.



THEMA NACHHALTIGES WASSERMANAGEMENT

Im Impuls von Dr. Rocco Buchta, Institut für Fluss- und Auenökologie, lernten die Teilnehmenden das Naturschutzprojekt zur Renaturierung der Unteren Havel kennen und Dr. Rüdiger Mauersberger, Förderverein Feldberg-Uckermärkische Seenlandschaft machte in seinem Vortrag deutlich, dass Wasserrückhalt nicht nur für die Stabilisierung des Landschaftswasserhaushalts und des Grundwassers, sondern auch wirtschaftlich wichtig ist..


“Ist Wasserrückhalt auch in kleinen Senken sinnvoll? […] Auch wenn Moore sehr klein sind, es bringt eine ganze Menge […]. Wenn das Moor auf Grundwasserniveau liegt, habe ich sogar einen Abfluss ins Grundwasser, wenn ich den Pegel ansteigen lasse. Das ist ein wesentlicher Effekt – Abströmung ins Grundwasser. Den Abfluss ins Grundwasser zu verlagern, bringt Speicherkapazität und Abflussverzögerung.”

- Dr. Rüdiger Mauersberger


Präsentationen



PODIUMSDISKUSSION

Vom Potenzial zur Praxis – Wie Natürlicher Klimaschutz Innovation möglich macht

© Lisa Ramroth
© Lisa Ramroth

In einer abschließenden Podiumsdiskussion gingen die Podiumsgäste der Frage nach, wo und wie wirtschaftliche und politische Weichen gestellt werden müssen, um den Natürlichen Klimaschutz zu stärken. 

Das Publikum beteiligte sich rege mit interessierten Fragen und überlegten Kommentaren.

 

 

Auf dem Podium diskutierten:

  • Gunnar Lehmann, Mitglied des Landtages (BSW)
  • Tom Kirschey, Kompetenzzentrum Natürlicher Klimaschutz
  • Tilman Schnauder, Leitung Regionalbüro Natürlicher Klimaschutz
  • Simon Krischer, Vorstand bei Biodiversity in Good Company und Geschäftsführer beim Biokreis e.V.
  • Björn Ellner, Landesvorsitzender NABU Brandenburg 

© Julia Ehritt
© Julia Ehritt

Die Food-Art-Künstlerin Anja Fiedler ließ die Teilnehmenden die Bedeutung von Moor und Wald auch kulinarisch erfahren. Begleitet vom Klang eines Moors, das CO2 ausstößt, konnten die Teilnehmenden sich visuell und geschmacklich bewusst machen, was für mächtige und auch gefährdete Ökosysteme Moore derzeit sind. 

Später durften die Teilnehmenden auch den Wald geschmacklich erkunden. Mit Holzkohlebroten wurde auf die Abholzung von Wald aufmerksam gemacht. Gleichzeitig wurde den Teilnehmenden mit Flechtenbutter und Eichelbällchen auf besondere Weise der Geschmack des Waldes näher gebracht.

FOTOIMPRESSIONEN

VIDEOAUfZEICHNUNG

Die Konferenz wurde gefördert und finanziert durch:

Gefördert durch Lottomittel des Ministeriums für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz (MLEUV) des Landes Brandenburg.